Einen Kult zu schaffen ist einfacher als eine ‘Kultur’ zu entwickeln!

Kult vs. Kultur

Kultur: Jungsteinzeit, keltisch
Kult: zum Teil um die Artussage herum

Alles ist Kultur. Aus allem einen Kult zu machen ist auch Kultur. Doch wem dient das?
Verliert der Mensch die Orientierung auf das Wesentliche, verliert er sich im Kult. Ein Bedürfnis wird mit etwas Leerem versucht zu befriedigen, das Empfinden von Wichtigkeit bleibt, Sinnhaftigkeit schwindet.
Wie dringt man nun zum Wesentlichen vor? Das Wesentliche jeglicher Kulturen ist die Vision, etwas, was noch nicht erreicht ist und unter die Haut geht, etwas was einlädt, inspiriert und begeistert, dabei sein zu wollen, etwas, in das man hineinwachsen kann, Sicherheit erlebt und Erfüllung erfährt.

Sich zu besinnen, zu orientieren und auszurichten auf eine Vision hin ist der Anfang auf dem Weg aus dem Kult. Und damit meinen wir keine gekaufte, gestylte Hochglanz-Vision, sondern eine, die aus den Menschen hervorgeht, die sich zu einer Gemeinschaft zusammen gefunden haben. Ohne Orientierung, Ausrichtung und Entwicklung auf die Vision hin endet jede Bemühung aus unserer Erfahrung wieder im Kult. Eine Vision macht die Entwicklung einer Kultur überhaupt erst sinnhaft.

Wer jetzt über Visionsentwicklung nachdenkt, ein Hinweis ganz vorne weg: die Nr. 1 oder der Größte, Schnellste, Beste in ihrer Branche zu werden, ist keine Vision. Die Befriedigung von Aktionären ist auch keine Vision. Mag schön klingen, befriedigt jedoch nur wenige.

Was sind dann die Merkmale einer Vision?

  • Eine Vision bietet Raum für Vielfalt, richtet auf das Wesentliche aus, lässt quer denken und lässt Kreativität zu, die ohne die Vision niemals möglich gewesen wäre. Jeder ist beteiligt, jeder hat Einfluss, jeder ist Bestandteil.
  • Eine Vision erzeugt immer Sog, den Wunsch dazu gehören zu wollen, und auch das Gefühl – egal wo ich jetzt in meiner Entwicklung stehe, ich werde einen guten Beitrag dazu leisten wollen und (später) auch können. Potenziale werden entfaltet.
  • Eine Vision erklärt sich nicht, stellt keine Vergleiche an und beinhaltet keine “Du-Botschaften” oder Aufträge.  Sie steht mit niemandem in Konkurrenz und ist selbst-verständlich.

Aus der Vision (Zweck des Unternehmens) leitet sich ganz von selbst die Mission (Unternehmensauftrag) ab. Aus diesen beiden Bereichen entsteht die Unternehmensphilosophie, d.h. die Werte und das “Warum”.

Unsere Erfahrung ist es, dass es sehr wohl Menschen, Familien und Unternehmen gibt, die eine Vision haben, dann jedoch versäumen die Kultur zu entwickeln, die es braucht, diese Vision zu erreichen. Hier liegt die Gefahr, dass die Vision im Management und Marketing stecken bleibt und um die gefundene Vision wieder ein Kult gemacht wird. Und das ist niemandem zu verübeln, wir haben es über hundert Jahre trainiert. Sei laut, schrei laut, bleib laut.

Genauso wie es unsere Erfahrung in den letzten 15 Jahren ist, dass erst eine wirklich starke Vision das Formen von Charakter und das Entwickeln von Kompetenzen möglich macht (und nicht umgekehrt). Geformter Charakter und entwickelte Kompetenzen im Hinblick auf Erreichen einer Vision bringen ein hohes Maß an Eigenverantwortung hervor (Ich will Teil des Ganzen sein) und brauchen wenig Marketing, Verhaltensmaßnahmen und Tools. Unabhängig, ob es sich um einen einzelnen Menschen oder eine Familie handelt, eine Abteilung, ein mittelständisches Unternehmen oder einem Großkonzern.

Wenn die Ausrichtung fehlt, wird erfahrungsgemäß auf diese Maßnahmen zurück gegriffen. Wenn die Ausrichtung gegeben ist, wird die Reise einfach, was nicht heißt, dass alle Schritte leicht sind.
Eine Kultur wächst und entwickelt sich nur so lange bis die Vision in allen ihren wesentlichen Teilen erfüllt ist. Und danach verwaltet sie sich, sofern es keine neue Vision gibt.

Alexandra Tebart und Edmund Mettinger, ita est